Die Glossar Liste
- Audioführung
- Zusammenstellung kundiger Kommentare, die durch eine Ausstellung oder Landschaft führen. Das Angebot ist sehr breit und reicht von nüchternen Erläuterungen bis hin zu Hörspielszenen. Die besonderen Belange blinder Menschen stehen selten im Fokus der Anbieter. Für sie sind beschreibende Anteile (Raumbeschreibung, Objektbeschreibung) wichtig.
- Audiodeskription
- Audiodeskription ist ein zusätzliches akustisches Informationsangebot für Menschen, die einem visuellen Geschehen nicht mit ihren Augen folgen können. Mit Hilfe von Audiodeskription werden z. B. rein visuelle Filmszenen auch für blinde Zuschauer verständlich. Filme mit Audiodeskription werden auch Hörfilme genannt.
- Audioguide
- Ausleihbares Gerät, mit dessen Hilfe Audioführungen abgehört werden können. Konzeptionen und Design sind sehr unterschiedlich. In der Regel muss der Nutzer zu den jeweiligen Objekten die dazugehörige Nummer eingeben. Der Komfort der Geräte ist gleichfalls sehr unterschiedlich. In den besten Fällen gibt es die Möglichkeit der Navigation innerhalb eines Kommentars, sodass z. B. bestimmte Passagen wiederholt angehört werden können.
- Blindenleitsystem
- Markierung einer Wegeführung durch akustische und tastbare Orientierungshilfen.
Zum Einsatz kommen Leitstreifen, die mit einem Langstock oder gar mit sensiblen Füßen verfolgt werden können. An Wegepunkten mit Abbiegemöglichkeiten, zum Hinweis auf Haltestellen, Lifts o. dgl. oder vor Treppen werden taktile Aufmerksamkeitsfelder angebracht. Die Leitlinien können auch in Form von Handläufen ausgelegt sein. Zu den genannten Elementen kommen Beschilderungen in tastbarer Ausführung, um Zimmernummern, Raumbestimmungen, Etagen und Bedienfunktionen kenntlich zu machen. Taktile Leitsysteme werden durch akustische Navigationshilfen und Raumbeschreibungen ergänzt.
Verwiesen werden soll auch auf visuelle Orientierungshilfen, weil auch eine farblich kontrastreiche Wegegestaltung für eine entspannte und gefahrlose Orientierung nützlich ist. Lebenswichtig ist sie für Sehbehinderte. Komfortabel ist sie für augenmüde, unaufmerksame Zeitgenossen. Schädlich sind sie für niemanden.
Mit der blinden- und sehbehindertengerechten Gestaltung des öffentlichen Raums befasst sich der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr im DBSV: http://www.gfuv.de/
- Braille-Schrift
- Weltweit gebräuchliche 6-Punkte-Tastschrift von Louis Braille (1809-1852). Beim Brailledruck kommt es auf die Einhaltung vorgegebener Punktgrößen, -abstände und Materialqualitäten an.
- Mobilitätstrainer
- Ausgebildete und zertifizierte Fachleute, die Blinden und stark Sehbehinderten zu größerer Mobilität und Selbständigkeit verhelfen. Mobilitätstrainer und Orientierungslehrer sind organisiert im Bundesverband der Rehabilitationslehrer /-lehrerinnen für Blinde und Sehbehinderte: http://www.rehalehrer.de/
- Objektbeschreibung
- Sprachliche Erklärung von Gegenständen, die nicht haptisch (tastend) erkundet werden können. Erklärt werden Beschaffenheit, farbliche Gestaltung, Dimension (Ausmaß) und Proportionen.
- Orientierungstraining
- Unter fachlicher Anleitung lernen Blinde und hochgradig Sehbehinderte, sich anhand von Merkmalen des Raumes und der Wege zurecht zu finden und zu bewegen. Genutzt werden dabei alle verwertbaren Informationen, die den Ohren, den Füßen und dem eingesetzten Langstock zugänglich sind. Das Mobilitätstraining umfasst sowohl die Sinnesschärfung als auch die Fertigkeit im Umgang mit dem Langstock.
- Raumbeschreibung
- Ergänzung zur Objektbeschreibung. Für eine blindengerechte Gästeführung ist es wichtig zu erschließen, wie sich der jeweilige Raum gliedert, wie die Ausmaße, die Anordnung der wichtigsten (charakteristischen oder prägenden) Elemente ist und wie es sich mit Proportionen (Größenverhältnissen) verhält. Besonders anschaulich zur Bestimmung von Koordinaten ist die Angabe wie beim Ziffernblatt der Uhr, wobei die 12 genau vor dem Betrachter und die 6 hinter ihm liegt.
- Taktile Beschilderung
- Zimmernummern, Raumbestimmungen, Etagen und Funktionsschalter werden durch tastbare Symbole, Relief- oder Pyramidenschrift oder Braillezeichen gekennzeichnet.
- Taktile Bilder und Landkarten
- Es handelt sich um Abbildungen in Reliefform, häufig mit Braillebeschriftung.
Optische Darstellungen können nicht uneingeschränkt dem Tastsinn zugänglich gemacht werden. Informationen, die durch differenzierte Farbgestaltung gegeben werden, können teilweise durch Oberflächengestaltung umgesetzt werden. Komplexe und gar perspektivische Darstellungen überfordern den Tastsinn häufig. Bei der Landkartengestaltung für Blinde muss die vermittelbare Informationsmenge sorgfältig und fachkundig bestimmt werden. Dieses Auswahlverfahren wird auch "Generalisierung" genannt.
Um wichtige Details der Abbildung erfassen zu können, muss häufig auch ein größeres Format gewählt werden.
- Tastmodelle
- Tastmodelle sind gegenständliche Reproduktionen, die für begreifende Hände zugänglich machen, was sonst nur für Augen erreichbar ist. Sie werden eingesetzt im Schulunterricht, im Museums- und Ausstellungsbereich und im öffentlichen Raum.
Taktile Modelle können maßstabsgerecht sein oder aus Darstellungsgründen in bestimmten Hinsichten den Möglichkeiten tastender Hände angepasst werden. Es gibt Eins-zu-Eins-Reproduktionen dort, wo Kunstwerke Präparate u. dgl. zu empfindlich sind, um die Originale dem Betaster auszuliefern. Wo es um Exponate geht, die entweder zu winzig oder zu gewaltig sind, um begriffen werden zu können, werden sie in der Reproduktion auf menschliches Arm- und Handmaß gebracht.
Bei weitem nicht alle ausgestellten Modelle sind für tastende Hände bestimmt. Gerade im Bereich der Architektur ist das Befühlen häufig nicht vorgesehen, ja mitunter sogar verboten. Entweder die Modelle fallen zu groß aus, um mit einer Armspanne umfasst zu werden. Dann wird es für Blinde schwierig, sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Oder sie sind zu filigran gearbeitet, um betastet werden zu können.
Tastmodelle sollten in ihrer Ausdehnung auf das menschliche Körpermaß abgestimmt sein. Sind sie zu groß, um ohne Standortveränderung des Betasters ergründet werden zu können, wird es schwierig. Tastmodelle sollten im Maßstab so gewählt werden, dass die wichtigen Details erfasst werden können. In der Materialbeschaffenheit kommt es auf Robustheit an.
Eine herausragende Rolle spielen die bronzenen Stadtmodelle von Edgar Broerken. Sie geben eine Perspektive wieder, die auch für Sehende meist nicht mit bloßem Auge zugänglich ist. Sie zeigen eine historische oder aktuelle Stadt- oder Stadtteilansicht aus der Vogelperspektive. Sie werden mit Hilfe von Luftbildern erarbeitet. Braillebeschriftungen erleichtern es Blinden, die Geografie kennen zu lernen. Die Tastmodelle von Edgar Broerken sind für alle interessant, ob sie blind oder sehend sind. Sie werden gern genutzt als Ausgangspunkt für Stadtführungen. Eine aktuelle Liste dieser Modelle hat Marco Krings von Sehnetz e. V. zusammengestellt unter http://tastmodelle.barrierefreier-tourismus.info/.
- Tourismus für alle
- Dieser Ausdruck setzt sich mehr und mehr durch gegen frühere Bezeichnungen wie "Behindertentourismus" oder "Barrierefreier Tourismus". Es geht um Zugänglichkeit von Reisezielen, Infrastruktur und Erlebnisangeboten für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps oder Einschränkungen. "Für alle" orientiert auf eine Gestaltung, die möglichst viele Belange berücksichtigt. "Design for all" oder universelles Design erheben diesen Anspruch zum Programm
- DAISY-Format
- ist ein Standard für navigierbare Medien und wird zur Zeit vor allem im Bereich Hörbücher angewendet. DAISY ist ein englisches Kunstwort und steht für "Digital Accessable Information System", also Digitales System für den Zugang zu Informationen. Ziel ist es dabei, im elektronischen Medium so navigieren zu können wie in einem Buch. Dazu stehen verschiedene Strukturelemente zur Verfügung: Überschriften (Headers) in bis zu fünf Ebenen, Sprungfunktionen von Phrase zu Phrase (eine Phrase entspricht im Idealfall einem Satz). Möglich ist auch die Abbildung der Seitenübergänge und das Blättern von Seite zu Seite in einem Buch sowie das Anspringen von Fußnoten. Bei Nutzung entsprechender Abspielgeräte kann der Benutzer persönlich Lesezeichen setzen und sogar Sprachnotizen anbringen.
Für die Steuerbefehle werden SMIL-Dateien generiert (SMIL = Synchronized Multimedia Integration Language). Damit können die verschiedensten Text-, Audio-, Bild- und Video-Inhalte gesteuert werden. Für Audiobooks im DAISY-Format werden bevorzugt MP3-Dateien verwendet. Das hat den Vorteil, dass ein Abhören auch mit gewöhnlichen MP3-Playern möglich ist.
Als Kostenlosen DAISY-Player für den PC empfhelen wir DAISY-Leser Version 2.0.
Das Internationale DAISY-Consortium wurde 1996 von sechs nationalen Blindenhörbüchereien gegründet, hat sich weltweit als Standard etabliert, wird mittlerweile von namhaften Firmen unterstützt (Microsoft, Adobe, Plextor usw.) und ist dabei, aus der Nische der blindenbezogenen Nutzanwendung heraus zu treten.
Für weitere Informationen siehe Wikipedia